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Besondere Fundstücke im Stadtarchiv Troisdorf
Das Protokollbuch des Eifelvereins Ortsgruppe Troisdorf 1930 e.V.

von Selina Pohl

Abbildung der ersten Seite des Protokollbuchs des Eifelvereins Ortsgruppe Troisdorf 1930 e.V.Erste Seite des ProtokollbuchsButton Bild vergrößern

„Auf Anregung des Kölner Eifelvereins wurde am 29. Juni 1930 zum Waldrestaurant Ravensberg eine Versammlung einberufen zwecks Gründung einer Ortsgruppe des Eifelvereins“ in Troisdorf. So ist es im ersten Eintrag des Protokollbuches vermerkt worden.

Die Idee des Eifelvereins war jedoch viel älter. Sie stammt von Adolf Dronke, der die Gründung des Vereins 1888 in Bad Bertrich initiierte, um der Eifler Bevölkerung zu helfen, die aufgrund der zurückgehenden Eisenindustrie und Landwirtschaft unter Armut litt.

Die eigentliche Gründung der Ortsgruppe Troisdorf erfolgte jedoch erst am 2. August 1930 nach einer weiteren Sitzung, in welcher eine vorläufige Satzung erarbeitet und die Ziele des Vereins festgelegt wurden. Als Ziele sind die „Erschließung unseres schönen Heimatlandes durch Schaffung schöner Wanderwege“, sowie die „Hebung unserer Gesundheit durch zielbewußtes wandern“ zu nennen. Allerdings konnten in den Anfängen des Eifelvereins nur Personen, die aus der Eifel stammten, Mitglied werden. Diese Regelung wurde erst im Jahr 1945 aufgehoben, sodass der Verein für alle Bürger offen war.

Da die Geschichte des Eifelvereins Ortsgruppe Troisdorf jedoch recht facettenreich ist, konzentrieren sich die Ausführungen auf den Zeitabschnitt zwischen der Entstehung des Vereins und seiner Genese bis zu Ende des Zweiten Weltkrieges.

Bei der ersten Versammlung der Ortsgruppe Troisdorf trugen sich 30 Personen in die Mitgliederliste ein. Des Weiteren wurde der Jahresbeitrag für die Vereinsmitglieder auf 6 Reichsmark festgelegt. Über diese Versammlung berichtete auch die Zeitung und machte damit indirekt Werbung für den Verein. Da jedoch bereits bei der nächsten Sitzung am 21. November 1930 auffiel, dass nicht alle Mitglieder ihren Beitrag pünktlich bezahlten, machte der erste Vorsitzende deutlich, dass „Mitglieder welche mehr als 2 Monate mit der Beitragszahlung im Rückstand sind, aus der Mitgliederliste gestrichen werden können.“

In einem Wanderplan wurden jeweils die monatlich stattfindenden Wanderungen bekanntgegeben. So steht auch die erste Wanderung der Ortsgruppe Troisdorf in dem Wanderplan der Jahre 1930 bis 1933. Sie fand am 24. August 1930 statt und führte durch die Wahner Heide. Einem diesbezüglichen Zeitungsartikel ist zu entnehmen, dass der erste Vorsitzende an mehreren Stationen des Weges Vorträge hielt. Solche Vorträge wurden von den Vereinsmitgliedern regelmäßig zu verschiedenen Themen gehalten. Im Protokollbuch wird dabei besonders der Vortrag vom 11. Oktober 1930 lobend erwähnt, bei dem der Vortragende in „schöner und poetischer Weise die Ahr von der Quelle bis zur Mündung“ beschrieb und seinen Vortrag mit Lichtbildern veranschaulichte.

Das Protokollbuch des Eifelvereins Ortsgruppe Troisdorf 1930 e.V.: Einladung zur Nikolausfeier des Eifelvereins Ortsgruppe Troisdorf im Gründungsjahr 1930Einladung zur Nikolausfeier im Gründungsjahr 1930Button Bild vergrößern

Eine Tradition des Eifelvereins Ortsgruppe Troisdorf wurde das Ausrichten einer Nikolausfeier. Diese Tradition begann bereits im Gründungsjahr 1930 und besteht bis heute fort. Für die erste Feier erschien sowohl eine Werbeanzeige in der Zeitung, als auch ein Bericht im Nachhinein. Wie auch in den folgenden Jahren wurde den zahlreich erschienenen Gästen viel geboten: „Musik, humoristische Einlagen, das Erscheinen des Nikolauses, eine Verlosung, Tanz“.

Die wirtschaftliche Situation in der Weimarer Republik spitzte sich im Zeichen der wachsenden Arbeitslosigkeit und sinkender Löhne (Deflation) immer mehr zu. 

Dieser historische Hintergrund erklärt die Einträge in das Protokollbuch des Eifelvereins: So konnte die traditionelle, öffentliche Nikolausfeier im Jahr 1931 aus Kostengründen nur in einem kleineren, privaten Rahmen stattfinden.

Des Weitern werden immer wieder Versuche unternommen, den in der ersten Vorstandssitzung festgelegten Mitgliedsbeitrag von 6 Reichsmark im Jahr zu senken. Dies ist ein weiteres Indiz für die „immer schlechter werdende wirtschaftliche Lage“. Auch der Vermerk im Protokollbuch, dass immer wieder Mitglieder mit ihren Beiträgen im Verzug sind, deutet auf eine schlechte finanzielle Lage der Mitglieder hin. 1931 wurde dann der jährliche Beitrag auf 4 Reichsmark festgelegt. Letztendlich war die Beitragszahlung nicht mehr einmal im Monat zu leisten, sondern nur noch einmal im Quartal, um die Mitglieder in der schlechten wirtschaftlichen Situation zu entlasten.

Zudem waren die Fahrkosten für den Verein zu teuer, so dass er nur noch Ziele in der näheren Umgebung ansteuerte.

Zu der allgemeinen politischen Situation in Deutschland ist in dem Protokollbuch des Troisdorfer Eifelvereins nicht viel vermerkt, lediglich der Eintrag vom 8. August 1933 weist darauf hin. Nach der Machtergreifung Hitlers am 31. Januar 1933 begann ein Prozess, welcher sich bis Mitte des Jahres 1934 hinzog. Ziel war es, die nationalsozialistische Diktatur zu etablieren und den alleinigen Machtanspruch von Hitlers Regime in der deutschen Gesellschaft zu verankern. Dazu wurden unter Anderem die Vereine gleichgeschaltet.
Der Troisdorfer Eifelverein wurde an diesem 8. August 1933 in einer „außerordentlichen Generalversammlung“ gleichgeschaltet. Dieser Maßnahme mussten sich die Vereine fügen, wenn sie nicht aufgelöst werden wollten.

Das Protokollbuch endet im Jahr 1936, der Eifelverein Ortsgruppe Troisdorf bestand jedoch weiter, was zum Einen an der „Bescheinigung über die Anerkennung als Sportverein“ von dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen aus dem Jahr 1940 zu erkennen ist. Aber auch die Einträge in das Kassabuch des Vereins zeigen, dass dieser sogar noch während der Kriegsjahre (1939-1945) fortbestand und aktiv war. So spendete der Verein zum Beispiel in den Jahren 1941 bis 1944 einen Anteil der Mitgliedsbeiträge (im Jahr 1944 30 RM) an die Soldaten an der Front.

Obwohl die Anfangsjahre des Eifelvereins Ortsgruppe Troisdorf aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Situation in Deutschland unter keinem guten Stern standen, hat sich der Verein sehr gut entwickelt und erfreute sich auch nach der Neugründung mit der Erlaubnis der Militärregierung im Jahr 1946 eines gleichbleibenden Zuspruchs, so dass es ihn auch heute - jedoch seit 2016 unter dem neuen Namen Eifelverein Ortsgruppe Siegtal e.V. - noch gibt. Im November 2016 hat der Eifelverein OG Siegtal seine Unterlagen dem Stadtarchiv Troisdorf überlassen, darunter findet sich unter anderem das Protokollbuch.




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