Aktuelle Ausstellungen

01. Dezember 2024 - April 2025:

Bei euch wimmelts wohl!

Eine Mitmachausstellung rund um das Wimmelbuch

Wimmelbücher sind einfach wunderbar – sie zelebrieren in ihrer Bilderflut eine Art gewolltes Chaos, zeigen Alltagszenen und kleine Geschichten und laden zum Staunen, Fantasieren, Neuentdecken und Wiedererkennen ein. Gewimmelt wird überall – im Wald, auf der Polizeiwache, in der Stadt oder auch im Märchen. Überall finden sich vielfältige Bildwelten, die es zu erkunden gilt. Wimmelige Bilder sind nicht neu und schon seit dem Mittelalter bekannt. So entdeckt man eine Fülle an Kinderspielen zum Beispiel auf dem gleichnamigen Werk von Pieter Bruegel dem Älteren (1560).

Hierzulande wird Ali Mitgutsch als „Vater des Wimmelbuchs“ bezeichnet, seine ab 1968 erschienenen wuseligen Bilderbücher kennt nahezu jedes Kind. Rotraut Susanne Berner, die ihre Wimmlinger Protagonist*innen seit 2003 durch alle Jahres- und Tageszeiten schickt, gab dem Wimmelbuch ein neues Bild- und Erzählkonzept und öffnete es damit Leser*innen unterschiedlichen Alters. Dennoch ist das Wimmelbilderbuch kein rein deutsches Phänomen: Wer hat nicht schon einmal den mit einer Brille, einem gestreiften Shirt und einer Pudelmütze bekleideten Weltenbummler „Walter“ auf einem der detailreichen Bildern des Briten Martin Handford gesucht – und auch gefunden?

Wimmelbilder sprechen für sich und ermöglichen eine aktive und lebendige Auseinandersetzung der Kinder mit den dargestellten Szenen, weshalb sie meist ohne viel Text auskommen und zu einem regen Austausch beim gemeinsamen Betrachten einladen.

Im Rahmen einer großen Mitmachausstellung nimmt sich das Bilderbuchmuseum dem Phänomen „Wimmelbilderbuch“ an. Gezeigt werden Klassiker des Wimmelbilderbuchs sowie verschiedene aktuelle Interpretationen traditioneller Wimmelbuchthemen und –szenerien oder auch ungewöhnliche Wimmeleien sowie wichtige Themen wie Nachhaltigkeit, Achtsamkeit, Diversität und die Darstellung einer vielfältigen Gesellschaft. Genauso wuselig wie auf den Bildern wird es auch in der Ausstellung – viele Mitmach- und Kreativstationen laden dazu ein, in Wimmelbuchszenen einzutauchen und hier selbst aktiv zu werden.

In unserer Mitmachausstellung "Bei euch wimmelts wohl" gibt es einige Spielstationen mit Teppich - bitte zieht die Winterstraßenschuhe aus und bringt Stoppersocken oder Hausschuhe mit.

Wuselige Spielzeugladenszene mit vielen Kindern
Eva Scherbarth: Komm heraus und spiel mit uns. Maier, Ravensburg 1987.

07. Februar - 27. April 2025:

Franz Wacik: Kunst im Kinderbuch

Eine Tendenz zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Die großartige Bedeutung des Künstlers Franz Wacik (1883–1938) für die Geschichte der Kinderbuchillustration des beginnenden 20. Jahrhunderts liegt vor allem in der Tatsache begründet, dass er den Wiener Jugendstil (Sezessionsstil) fast flächendeckend in die Kinderbuchillustration einführte. Mit dieser künstlerischen Adaption war ein ästhetischer Anspruch verbunden, der das Kinderbuch – und hier vor allem das Kind als Rezipient – neu wertete: Es wurde auf eine neue Weise ernst und damit wichtig genommen.

Nach seiner Ausbildung, die durch Künstler wie Heinrich Lefler und Alfred Roller besonders geprägt war, wurde 1906 mit Gottfried August Bürgers Fahrten und Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen Waciks erstes illustriertes Buch publiziert. Dieses erschien in der Reihe „Gerlachs Jugendbücherei“, für welche Wacik später noch Illustrationen zu Märchen von Hans Christian Andersen oder Clemens Brentano schuf. 

Zu Waciks weiterem künstlerischen Repertoire zählten Karikaturen, Graphiken, Bühnenbilder, Puppen- und Kasperlespiele, Wand- und Deckengemälde. Als Mitglied der Wiener Secession wirkte er ab 1910 bei zahlreichen Ausstellungen mit. Zu Lebzeiten erhielt er mehrere Auszeichnungen für sein künstlerisches Schaffen, darunter den Staatspreis für sein Gesamtwerk.

Im Jahr 2019 war es der Münsteraner Antiquar Winfried Geisenheyner, der dem Bilderbuchmuseum Troisdorf das Angebot unterbreitete, Zeichnungen von Franz Wacik zu erwerben. Sowohl die Bedeutung des Illustrators für das Kinderbuch als auch die Tatsache, dass sich Möglichkeiten, Originale zu Bilder- und Kinderbüchern des beginnenden 20. Jahrhunderts zu erwerben, nur noch selten ergeben, ließen eine Entscheidung zugunsten des Ankaufs schnell treffen. Dass die Bilder Franz Waciks bereits museumseigene Illustrationszyklen z. B. von Ernst Kreidolf (erworben durch den Förderverein des Bilderbuchmuseums im Jahr 2001) oder Sibylle von Olfers (Stiftung Wilhelm Alsleben) ergänzen, darüber hinaus die Buchsammlung von Prof. Dr. Friedrich C. Heller, die 2012 endgültig durch das Bilderbuchmuseum erworben werden konnte, bereichern, gab einen weiteren Anstoß, den Ankauf durchzuführen.

Im Jahr 2024 konnte der Ankauf zu Franz Wacik abgeschlossen werden – Anlass genug, eine Ausstellung rund um den Künstler und die Illustration des beginnenden 20. Jahrhunderts umzusetzen und den neuen Erwerb einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

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