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Kunst im öffentlichen Raum
Letztes Tor in die Natur

Skulptur von Nils Udo

  •   Letztes Tor in die Natur  
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Nils-Udo war Maler, bevor er 1972 die Natur als Raum für seine Kunst entdeckte. Der natürliche Umraum liefert dem Künstler das Werkzeug, die Materialien, den Hintergrund, den Bildträger  - und doch fügt Nils-Udo dieser naturhaften Umgebung immer noch etwas gestaltet Skulpturales hinzu. Sein künstlerischer Eingriff ist nicht gewaltsam und dies ist – im Gegensatz zur Reclamation Art - auch nicht sein primäres Ziel. Zwar spiegelt sich hier und da Empörung und Trauer über die Verletzung der Natur, doch zielt das gestalterische Wirken Nils-Udos eher auf die bloße Darstellung der gegenseitigen Einflussnahme natürlicher und menschlicher Gegebenheiten. Landschaftsarchitektur wird zur Metapher für die Dialektik von Mensch und Natur. 

Im Park von Haus Broich realisierte Nils-Udo für die Stadt Troisdorf eine begehbare Skulptur. Sie besteht aus dem Skelett eines roten Fachwerkhauses, das sich mit der fortschreitenden Bewegung des Besuchers immer mehr in seine Bestandteile auflöst: Die anfängliche Giebelkonstruktion mit eingelassener Tür löst sich in eine Tür und nachfolgende, seitliche Stützen auf. Ganz im Hintergrund, auf einem angelegten Rasenhügel, steht abschließend ein kleineres, vereinzeltes Tor als letzter Zugang in die Natur.

Tatsächlich ist es die Natur, die innerhalb der Skulptur Nils-Udos ein immer stärkeres gestalterisches Gewicht erhält. Eine Rasenwelle, die von Bäumen und Büschen bepflanzt ist, schwappt gleichsam ins Haus, der hintere, frei stehende Tordurchlass findet sein Äquivalent in zwei weiteren Bäumen, die den Zugang in den nahe gelegenen Wald gewähren. So wie das Haus mit seiner Gestaltung in die Natur eingreift, ist es zugleich das Anliegen der Natur, die Hauskonstruktion zu überwuchern, um den von Menschen Hand genutzten Raum für sich zurückzugewinnen. Das gegenseitige Durchdringen von Architektur und Natur, Natur und Architektur ist somit das Anliegen, dem sich Nils-Udo hier im Park des Hauses Broich wie auch in zahlreichen anderen Landschaftsarchitekturen widmet. Die rot angestrichene Holzkonstruktion und das Grün der Natur bieten dabei die Komplementärfarben, die signalhaft in die Szene einführen.

Die Farbwahl spiegelt den Gegensatz von Gesellschaft und Natur, ergänzt sich – als Komplementärfarbe -  zugleich aber auch zur harmonischen Einheit. Wie oben bereits erwähnt, nimmt Nils-Udo damit Abstand von jenen Land-Artisten, die gleichsam gegen die Natur arbeiten oder ihre Werke als pures Mahnmal verstehen, um auf die Gefährdung der natürlichen Umgebung aufmerksam zu machen. Sicherlich schafft der Künstler bei aller Ästhetik auch Orte, die zur Auseinandersetzung Anlass bieten. Im Allgemeinen sucht er jedoch ein lebendes, durch die Pflanzungen in den Naturkreislauf eingebundenes, begehbares, poetisches Bild. Speziell für Troisdorf schuf Nils-Udo eine Eingangsituation in die Natur als Landschaftsskulptur und Symbiose aus Architektur und Natur.


Daten zu diesem Kunstobjekt auf einen Blick

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Letztes Tor in die Natur
Kunstform Skulptur
Künstler Nils Udo
Standort Haus Broich (Park), Burgstraße 17
Ortsteil Spich